26.10.2026
Im Oktober 2026 geriet die Alternative für Deutschland (AfD) ins Zentrum eines massiven Datenleaks. Durch einen Hackerangriff auf Server von IT-Dienstleistern der Partei wurden schätzungsweise rund 421.000 interne E-Mails sowie zehntausende Dokumente und Anhänge aus dem Zeitraum von 2013 bis September 2026 im Internet veröffentlicht.
Während sich ein Großteil der bisherigen journalistischen Auswertungen (unter anderem durch Recherchen von Medien und Recherchestrukturen wie CORRECTIV oder der taz) auf bundesweite Strategien, den Umgang mit dem Verfassungsschutz, finanzielle Abläufe oder umstrittene Kontakte konzentriert, haben wir uns die Informationen mit dem Schwerpunkt auf den Landkreis Görlitz angesehen. Ohne einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben können wir bislang Folgendes erkennen:
Spezifische, flächendeckende Skandale oder Enthüllungen, die exklusiv den Kreisverband Görlitz oder lokale Mandatsträger*innen in der Region in den Kern der bundesweiten Berichterstattung rücken würden, sind nach unseren ersten Analysen nicht erkennbar. Dennoch hat die Veröffentlichung für die Region eine Bedeutung:
Die Region Görlitz gilt seit Jahren als eine der stärksten Hochburgen der AfD in Sachsen.
Die geleakten Dokumente und Kommunikationsstrukturen geben Einblicke in den internen Apparat, den Austausch zwischen regionalen Gliederungen und der Landes- beziehungsweise Bundesebene.
Eine zentrale Person für unseren Landkreis ist in diesem Zusammenhang der MdL Sebastian Wippel. Es gibt mehrere Dutzend Emails mit Bezug zu ihm. Der größte Teil davon sind eher Emails mit Pressetexten o.ä. Alltagsgeschäften.
Es geht jedoch auch daraus hervor, dass Sebastian Wippel z.B. im Arbeitskreis „Christen in der AfD“ aktiv ist oder war und dort bereits 2015 z.B. zu Treffen eingeladen hat. Angesichts dessen, dass die AfD mittlerweile offen gezielt gläubige Christ*innnen für ihre Partei gewinnen will und eine extra Strategiepapier dafür entwickelt hat, ist dieses frühe Engagement von ihm durchaus bemerkenswert. Darüber hinaus findet man einen von Herr Wippel geschriebenen Bericht zur Lage der JA (Junge Alternative) im Land Sachsen und er ist dort als Erstunterzeichner einer internen AfD – Handreichung für Beamte, Richter, Soldaten und Polizisten aufgeführt.
Mit dabei sind u.a. der Geschäftsführer einer großen Görlitzer Immobilienverwaltung(*). Dass dieser keine Berührungsängste mit gewissen Kreisen hat, ist im Oktober 2025 bereits sichtbar geworden, als er einem rechtsoffenen Görlitzer Kampfsportverein Räume zur Verfügung stellte. Darüber hinaus findet sich der Geschäftsführer(*) eines großen christlichen Druck - und Verlagshauses aus Herrnhut unter den Spendern. Auch ein Fitness-Produkte-Unternehmen aus Jonsdorf(*) und ein Motorsport-Unternehmer(*) aus Rosenbach sind unter den Spender*innen, genauso wie ein (mittlerweile nicht mehr aktiver) Hausmeisterdienst in Zittau(*). In Niesky spendete eine Pflegeunternehmerin(*) 500 Euro an die AfD und aus Weißenberg gab es eine Spende eines Heizungsbau-Betriebs(*). Insgesamt ist es sehr auffällig, dass offenbar gerade Unternehmer*innen die AfD unterstützenswert finden.
Spenden an Parteien sind vom Grundgesetz nach Artikel 21 gesetzlich geregelt und dienen der politischen Willensarbeit in unserer Gesellschaft mit. Es ist dementsprechend gesetzlich legitimiert an die AfD zu spenden. Legitim ist es ebenso öffentlich darauf hinzuweisen, dass neben den eigentlichen einzelnen Spenden dadurch auch ein "politisches Engagement" für die jeweilige Partei, in unserem Fall der AfD, anzunehmen ist.
"Wo große Teile der Bevölkerung rechts denken und wählen, tun dies auch Selbstständige, Handwerker*innen und andere Mittelständler*innen. Andererseits verstärkt dieses u. a. finanzielle Engagement die extrem rechten Hegemoniebestrebungen, nimmt alternativen Stimmen den Raum, normalisiert Rassismus sowie Demokratiefeindlichkeit und fördert neonazistische Strukturen." (März 2023)
Ein Unternehmen aus dem Landkreis Görlitz hebt sich auf Grund seiner engen Geschäftsbeziehungen mit der AfD besonders hervor. Es handelt sich um ein Print-Unternehmen aus Beiersdorf(*) wie mehrere hundert Emails zu diversen Druckaufträgen belegen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und der AfD geht dabei so weit, dass speziell für die AfD eine eigene Preisliste angefertigt wurde. In Emails spornte man sich entsprechend noch gegenseitig mit Sprüchen an wie: „Nun gilt es gemeinsam durchzustarten! Sie haben nach unseren Gesprächen sicherlich große Erwartungen - nun ist es an uns diese Aussagen mit Leben zu füllen! Wenn Sie sich nun schon genau so wie ich auf das erste gemeinsame Projekt freuen, dann lassen Sie uns gemeinsam die Rakete zünden!“.(*)
Zum Abschluss einer ersten Prüfung der Leaks lässt sich sagen, dass der veröffentlichte Datensatz von rund 300 Gigabyte an internen Informationen, darunter Postfächer aus Bundes- und Landesstrukturen sowie von verschiedenen Mandatsträger:innen bestimmt noch einige Überraschungen hervorbringen, aber auch noch eine längere Zeit der Prüfung benötigen wird. Ob diese für den Landkreis Görlitz relevant sind oder eher auf Bundesebene für Schlagzeilen sorgen, wird sich noch zeigen.
* der Inhalt sowie die persönlichen Daten gehen aus dem öffentlich zugänglichen AfD Leak hervor
Zuletzt aktualisiert am 26.10.2026