Glossar

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A
Antifaschismus
(von griechisch ἀντί antí „gegen“, „anstelle von“) bezeichnet alle sozialen Bewegungen und Ideologien, die sich in Theorie und Praxis gegen jede Erscheinungsform von Faschismus wenden. Der politische Kampfbegriff entstand 1921 als Selbstbezeichnung von Gegnern des Faschismus in Italien und wurde dann auf den aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Deutschen Reich, gegen den Franquismus in Spanien und ähnliche politische Kräfte in Europa und Lateinamerika übertragen. Heute fasst der Ausdruck alle Kräfte zusammen, die Neonazismus, Neofaschismus, Rechtsextremismus und Neue Rechte aktiv bekämpfen und deren gesellschaftliche Ursachen beseitigen wollen. Die Akteure bezeichnen sich als „Antifaschist*innen“

Antifeminismus
Antifeminismus ist ein Oberbegriff für geistige, gesellschaftliche, politische, religiöse und akademische Strömungen und soziale Bewegungen, die sich gegen den Feminismus bzw. einzelne, mehrere oder sämtliche feministische Anliegen wenden.

Antisemitismus
Der Hass auf Juden, die Ablehnung des Jüdischen, wo immer es auftaucht, ist weit verbreitet. Antisemitismus drückt sich in Form von Schändungen von jüdischen Friedhöfen, judenfeindlichen Schmierereien, der Leugnung des Holocausts, (Brand-)anschlägen auf Synagogen sowie Beleidigungen und körperliche Gewalt gegenüber Jüd*innen aus.

B

Blood and Honour
(englisch für Blut und Ehre) ist ein rechtsextremes Netzwerk, das es sich u. a. zur Aufgabe gemacht hat, neonazistische Bands miteinander zu koordinieren und die nationalsozialistische Ideologie zu verbreiten. Weltweit ist von bis zu 10.000 Mitgliedern auszugehen. In Deutschland ist Blood and Honour seit 2000 verboten.

C

Combat 18
Mit Combat 18 besteht ein „bewaffneter Arm“ von Blood and Honour, der vor allem in Großbritannien und Skandinavien aktiv ist, aber auch in Deutschland Anhänger hat. Die „Kameraden“ von Combat 18 berufen sich in ihrer Weltanschauung auf die rassistische Vorstellung einer Vorherrschaft der „Weißen Rasse“.

D

Diskriminierung
jegliche Form sozialer, kultureller, struktureller oder ökonomischer Benachteiligung und Ungleichbehandlung von einzelnen Menschen oder Menschengruppen aufgrund tatsächlicher oder zugeschriebener Merkmale und Gruppenkonstruktionen. Diskriminierung kann im alltäglichen Miteinander stattfinden, etwa durch diskriminierende Äußerungen oder Gewalterfahrung auf der Straße oder in der Familie, oder auf struktureller Ebene, durch Benachteiligung, Ausschluss oder Stigmatisierung durch Institutionen, Regeln und Normen. Strukturelle bzw. institutionelle Diskriminierung kann zum Beispiel von staatlichen Heimen, Bildungseinrichtungen, rechtlichen Vorschriften, unhinterfragten Annahmen von vermeintlich normalen Lebensweisen, ausgehen.

E

Ethnopluralismus
Mit dem Begriff „Ethnopluralismus“ bezeichnet die sogenannte Neue Rechte ein Theoriekonzept, das den für Rechtsextreme typischen Rassismus neu und weniger angreifbar begründen soll. Kritiker nennen ihn einen „Rassismus ohne Rassen“. Das Wort „Ethnopluralismus“ – zusammengesetzt aus dem griechischen „ethnos“ (Volk) und dem lateinischen „pluralis“ (Mehrzahl) – propagiert eine „Völkervielfalt“. Es wurde geprägt von Henning Eichberg, einem der wichtigsten deutschen Theoretiker der Neuen Rechten. Vorläufer des Konzepts finden sich aber schon bei Carl Schmitt. Das Grundsatzprogramm der NPD enthält deutliche ethnopluralistische Elemente.

Wie klassische Rassisten behaupten auch Ethnopluralisten, es gebe grundsätzliche und unveränderliche Eigenschaften von Menschengruppen – und jede Gruppe sei umso besser und stärker, je ähnlicher sich ihre jeweiligen Angehörigen seien. Dabei vermeiden Ethnopluralisten aber biologistische Argumentationen, eine Abstammungsgemeinschaft oder genetische Homogenität wird von ihnen nicht mehr offen gefordert. Stattdessen behaupten sie, Völker besäßen unveränderliche kulturelle Identitäten, die vor fremden Einflüssen zu schützen seien. Dass sämtliche menschliche Kulturen das Ergebnis gegenseitiger Beeinflussung sind, wird dabei völlig ausgeblendet.

Auch der Ethnopluralismus ist also ein ausgrenzender Nationalismus. Allerdings propagiert er nicht mehr ausdrücklich eine Höherwertigkeit der eigenen Nation oder der eigenen Kultur. Stattdessen betont er lediglich, jede einzelne solle sich getrennt von anderen halten (eine typische Parole wäre zum Beispiel: „Deutschland den Deutschen, die Türkei den Türken!“). Im Ergebnis kann damit genauso eine Fremdenfeindlichkeit ideologisch begründet, kann eine Ausgrenzung von und Gewalt gegen Migranten gerechtfertigt werden.

F

Faschismus
(von italienisch fascio „Bund“) war zunächst die Eigenbezeichnung einer politischen Bewegung, die unter Führung von Benito Mussolini in Italien von 1922 bis 1943/45 die beherrschende politische Macht war und ein diktatorisches Regierungssystem, den Italienischen Faschismus, errichtete.

Ab den 1920er Jahren wurde der Begriff für alle extrem nationalistischen, nach dem Führerprinzip organisierten antiliberalen und antimarxistischen Bewegungen, Ideologien oder Herrschaftssysteme verwendet, die seit dem Ersten Weltkrieg die parlamentarischen Demokratien abzulösen suchten. Die Verallgemeinerung des Faschismus-Begriffs von einer zeitlich und national begrenzten Eigenbezeichnung zur Gattungsbezeichnung einer bestimmten Herrschaftsart ist umstritten, besonders für den deutschen nationalsozialistischen Staat. Mit der Beschreibung und Erklärung des Faschismus beschäftigt sich die Faschismustheorie.

G

H

Heimattreue Deusche Jugend
Die Heimattreue Deutsche Jugend e. V. (HDJ) war ein 1990 gegründeter rechtsextremer deutscher Jugendverband mit neonazistischer Ausrichtung in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins mit schätzungsweise vierhundert Mitgliedern. Der Verein war in der rechtsextremen Szene verwurzelt und organisierte vor allem Zeltlager für Kinder und Jugendliche, die dort militärisch gedrillt und ideologisch geschult wurden. Deutliche personelle Kontinuität bestand zur 1994 verbotenen Wiking-Jugend (WJ). Die HDJ wurde am 31. März 2009 durch den damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble mit sofortiger Wirkung verboten.

Holocaust und Shoa
Der Begriff Holocaust stammt aus dem Altgriechischen und bedeutet „Brandopfer“. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg wurde das Wort manchmal verwendet, um den Tod einer großen Gruppe von Menschen zu beschreiben. Seit 1945 ist es jedoch praktisch ein Synonym für die Ermordung der europäischen Juden während des Zweiten Weltkriegs. Deshalb benutzen wir den Begriff „Holocaust“. Juden sprechen auch von der Schoah, das ist das hebräische Wort für „Katastrophe“. Der Holocaust hat verschiedene Ursachen. Die unmittelbarste Ursache ist, dass die Nazis die Juden ausrotten wollten und dazu imstande waren. Ihre Mordlust kam jedoch nicht aus dem Nichts. Die antisemitische Nazi-Ideologie muss in einen breiteren Kontext von jahrhundertealter Feindseligkeit gegenüber Juden, modernem Rassismus und Nationalismus gestellt werden.

I

Identitäre Bewegung
Die rechtsextreme Gruppierung verbreitet Vorurteile gegen Menschen mit Migrationshintergrund. Sie vertritt vor allem das Konzept des „Ethnopluralismus“. Dieses beschreibt die Idealvorstellung eines ethnisch und kulturell homogenen Staates ohne Einwanderung. Sie fordert außerdem eine „identitäre“ Demokratie anstelle der bestehenden repräsentativen Demokratie. Die Idenitären verstehen sich als Teil einer europaweiten Bewegung und als intellektuelle Neue Rechte. Die 2012 gegründete „Identitäre Bewegung Deutschland“ hat nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes derzeit etwa 600 Mitglieder. Ihre Wurzeln liegen in der französischen „Génération Identitaire“, die auch in anderen europäischen Staaten Ableger hat.

J

K

L

Landser
Landser ist der Name einer der wohl bekanntesten Neonazi-Bands in Deutschland. Die Gruppe wurde 1992 in Berlin gegründet und arbeitete bis zu ihrer Auflösung 2003 stets konspirativ: CDs wurden im Ausland hergestellt, Konzerte nicht öffentlich beworben. 2003 wurde die vier Landser-Musiker als Mitglieder einer kriminellen Vereinigung nach §129 StGB verurteilt. Sie erhielten Geld- und Haftstrafen. Aufgrund ihrer gewaltverherrlichenden Texte genießt Landser bis heute Kultstatus in der rechtsextremen Szene.

Der Begriff Landser hat in der rechtsextremen Szene allerdings noch weitere Bedeutungen. Als eine verkürzte Form von Landsknecht bezeichnet der inzwischen veraltete Begriff Soldaten. Für jenen Teil der rechtsextremen Szene, der die NS-Zeit glorifiziert, ist der Landser das Idealbild des Wehrmachts- und SS-Soldaten. Der Mythos stets ehrbarer und heldenhafter deutscher Soldaten wird von Rechtsextremen gepflegt, um hitlerdeutsche Kriegsverbrechen zu relativieren oder zu bestreiten. In Neonazi-Versänden finden sich von T-Shirts über Poster bis hin zu Statuen und Handtüchern Dutzende Artikel mit NS-Propaganda-Bildern von Landsern im Kriegseinsatz.

M

N

National befreite Zone
„National befreite Zone“ ist ein Kampfbegriff von Rechtsextremisten. Damit meinen sie vor allem Gebiete bzw. Milieus, in denen sie das Alltagsleben und das Straßenbild prägen. In „National befreiten Zonen“ sollen Rechtsextreme das Sagen haben und über „erlaubte“ Verhaltensmuster und Lebensweisen bestimmen.

Andersdenkende oder als „fremd“ Definierte werden zu Feinden erklärt, die in diesen „Zonen“ nicht geduldet werden sollen. Da es zum Konzept der „national befreiten Zonen“ gehört, dass die Einhaltung dieser verordneten, rechten „Normalität“ auch mit Gewalt kontrolliert wird, wird so bei potenziellen Opfern von Rechtsextremen ein Klima der Angst erzeugt. Dass sie deshalb derartige Zonen gar nicht oder nur mit Vorsicht und Angst betreten, ist von den Rechtsextremen gewollt.

Mit „National befreiten Zonen“ können aber auch soziale oder ökonomische Zusammenhänge gemeint sein, also beispielsweise Siedlungsprojekte oder Netzwerke von Kleinunternehmen, die Rechtsextremisten Wohnräume oder Arbeitsstellen jenseits der Allgemeingesellschaft und ihrer demokratischen Normen bieten.

Erstmals taucht der Begriff im Titel eines Konzeptpapiers auf, das der NPD-nahe „Nationaldemokratische Hochschulbund“ in seiner Zeitschrift „Vorderste Front“ 1991 veröffentlichte. Diese Idee wurde dann von den Jungen Nationaldemokraten übernommen und in Folgepapieren weiterentwickelt und diskutiert. Im Kern kopiert und adaptiert das Konzept die Idee der „Kulturellen Hegemonie“ des italienischen Sozialisten Antonio Gramsci (1891-1937). Kulturelle Hegemonie kann dabei als gesellschaftliche Vormachtstellung begriffen werden. Die angestrebte „kulturelle Hegemonie“ soll den Alltag der jeweiligen Region, des jeweiligen Stadtteils oder Jugendclubs prägen und hat nicht zuletzt Einfluss auf die Sozialisation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

NPD
Die „Nationaldemokratische Partei Deutschlands“ (NPD) wurde 1964 als Sammelpartei kleinerer national-konservativer und rechts-nationaler Gruppen gegründet. Bei der NPD handelt es sich um eine rechtsextreme Partei mit deutschnationaler Orientierung, die antisemitische, rassistische und zunehmend islamfeindliche Positionen vertritt.

O

P

Pegida
Pegida (Abkürzung für „Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) ist eine Organisation, die gegen eine angebliche Überfremdung und die aktuelle Einwanderungs- und Asylpolitik der Bundesrepublik protestiert. Einige Wissenschaftler charakterisieren sie als rechtspopulistisch, manche als rechtsextrem. Von der Gründung 2014 bis heute hat sich die Gruppe deutlich radikalisiert. In mehreren Bundesländern werden Pegida-Ableger seit 2015 vom Verfassungsschutz beobachtet.

Hervorgegangen ist Pegida aus einer privaten Diskussionsgruppe im sozialen Netzwerk Facebook. Diese rief erstmals für den 20. Oktober 2014 in Dresden zu einer als „Abendspaziergang“ bezeichneten Demonstration auf, an der sich 350 Menschen beteiligten. In der Folgezeit wurde jeden Montag demonstriert. Die Teilnehmerzahlen stiegen rasch stark an; am 12. Januar 2015 kamen 25.000 Menschen zusammen. Danach sanken die Zahlen wieder.

Ab November 2014 bildeten sich nach dem Vorbild Pegidas in zahlreichen anderen Städten ähnliche Gruppen, die sich in ihrem Namen auf die Dresdner bezogen: Der Würzburger Ableger hieß beispielsweise Wügida, die Rostocker Gruppe Rogida, Legida in Leipzig, Bogida in Bonn usw. An vielen der Gruppen beteiligten sich Mitglieder der Alternative für Deutschland, aber auch rechtsextremer Parteien wie NPD, Die Rechte oder Pro NRW sowie rechtsextreme Hooligans. In allen Städten kam es zu Gegendemonstrationen, die – mit Ausnahme Dresdens – jeweils erheblich mehr Teilnehmer mobilisieren konnten. Auffallend ist, dass Pegida-Märsche in Ostdeutschland stets deutlich mehr Teilnehmer haben als die westdeutschen Ableger.

Q

R

Rassismus
Rassismus ist eine Ideologie, nach der Menschen aufgrund äußerlicher Merkmale – die eine bestimmte Abstammung vermuten lassen – als „Rasse“ kategorisiert und beurteilt werden. Obwohl die Menschen überall auf der Welt ganz unterschiedlich aussehen – so etwas wie „Menschenrassen“ gibt es nicht. „Rassen“ sind eine wissenschaftliche Erfindung, die seit dem 18. Jahrhundert ihre unheilvolle Macht entfaltet hat. Eine Änderung des Grundgesetzes, welches das Fundament der deutschen Rechtsordnung bildet, wäre ein wichtiges Signal, endlich Sprachgewohnheiten aufzubrechen und die scheinbare Akzeptanz von Rassekonzeptionen zu beenden.

Reichsbürger
Reichsbürger*innen glauben, Deutschland sei kein realer Staat. Andere Theorien ranken sich um die Mondlandung, Echsenmenschen oder eine angeblich flache Erde. Das Deutsche Reich: existiert noch. „Reichsbürger*innen“ lehnen alles ab, was mit dem nicht akzeptierten Staat zu tun hat, statten sich mit eigenen Personalpapieren aus oder gründen gar Scheinstaaten. Was sich nach kruder Spinnerei anhört, ist alles andere als harmlos. Zwar ist nicht jeder „Reichsbürger“ gleich ein Neonazi. Doch existiert eine gefährliche Verbindung zwischen Reichsideologie und Rechtsextremismus. Morddrohungen sowie Sprengstoff- und Waffenfunde zeigen die Gewaltbereitschaft dieser besonderen verschwörungsideologischen Szene. Die Vorstellung einer „BRD GmbH“ führt dazu, dass Reichsbürgerinnen und Reichsbürger das Grundgesetz nicht anerkennen und alle staatlichen Organe der BRD für feindliche Marionetten der „eigentlichen Unterdrückungsmacht“ oder „der globalen Elite“ halten. Solche Ausdrücke sind meist Indiz für den antisemitischen und/oder antiamerikanischen Hintergrund ihrer Ideologie. Schließlich kommt man, wenn man nach den angeblichen „Hintermännern“ oder „Drahtziehern“ dieser Macht fragt, fast immer bei den jüdischen Rothschilds oder „der Ostküste“, einer Umschreibung für die Eliten der USA und einer angeblich dort ansässigen jüdisch/zionistischen Lobby heraus.

Rechtsextreme Parteien / Organisationen
siehe unter Hintergrund

S

Sozialdarwinismus
Unter Sozialdarwinismus versteht man die Idee, das Recht des Stärkeren müsse auch das menschliche Zusammenleben bestimmen. Diese Einstellung gilt in der Wissenschaft als typisches Element eines rechtsextremen Weltbildes. Der Begriff Sozialdarwinismus tauchte erstmals Ende des 19. Jahrhunderts auf und wurde Anfang des 20. Jahrhunderts zunehmend populär. Die Anhänger dieser Idee übertrugen Elemente der Evolutionstheorie von Charles Darwin aus der Pflanzen- und Tierwelt auf die menschliche Gesellschaft. Darwins Lehre, dass sich langfristig jene Lebewesen durchsetzen, die sich am besten ihrer Umwelt angepasst haben, wurde pseudowissenschaftlich umgedeutet in eine Überlegenheit der Stärksten.

Im Nationalsozialismus waren sozialdarwinistische Ideen zentral. Nach außen wurde damit ein Kampf zwischen höher und niedriger stehenden Rassen konstruiert – die Begründung für Kriege und Massenmorde. Nach innen wurde damit das Aussondern angeblich minderwertiger Menschen im Interesse der sogenannten Rassenhygiene begründet – das Ergebnis war zum Beispiel die systematische Ermordung von Zehntausenden geistig oder körperlich Behinderten. Bis heute sind sozialdarwinistische Einstellungen ein wichtiger Teil rechtsextremen Denkens.

T

U

V

Versteckspiel
Versteckspiel – Seit über fünfzehn Jahren erscheint die „Versteckspiel“-Broschüre und hat inzwischen eine Gesamtauflage von über 150.000 Exemplaren erreicht. (Agentur für soziale Perspektiven e.v. in Berlin) Auf über 80 Seiten werden Symbole, Codes und Lifestyle von Neonazis und extrem Rechten in Bildern und kurzen Texten dargestellt. Anstelle einer einfachen Abbildung der Symbole, wie sie in Lexika üblich ist, zeigen wir die Symbole in der Form, in der sie im Alltag zu sehen sind: als Transparent oder Tattoo, auf Aschenbecher, T-Shirt oder Aufkleber, als CD-Cover oder Flugblatt. https://dasversteckspiel.de/das-projekt/broschuere-8.html

Verschwörungsideologien, Verschwörungsmythos, Verschwörungserzählung?
Verschwörungsideologien konstruieren immer auch einfache Weltbilder und Rollen: Da gibt es die bösen Verschwörer*innen und die Guten, welche die Verschwörung aufdecken und bekämpfen. Um die Gegner_innen zu beschreiben, greifen Verschwörungsideolog*innen auf Feindbilder und Erzählungen zurück, die eine lange Tradition haben. Verschwörungsmythen beziehen sich in ihrer Feinddarstellung auf ausgedachte Gruppen: Reptiloiden, die „Weisen von Zion“, Illuminati etc. Die Grenze zwischen Verschwörungsideologien und Verschwörungsmythen ist jedoch fließend und nicht immer klar zu bestimmen. Der Begriff “Mythos” verweist zudem auf die Mündlichkeit der Überlieferung. Eine Verschwörungserzählung ist, zumindest strukturell, immer antisemitisch. Wenn sie versucht, “das große Ganze” zu erklären, werden meist bestimmte Stereotype verwendet, mit denen die vermeintlichen Weltverschwörer beschrieben werden (hinterlistig, gierig, blutrünstig, bösartig, manipulativ; Kontrolle über Wirtschaft, Politik, Medien, Kultur, Bildung etc.). Diese decken sich mit Stereotypen, die im Antisemitismus seit Jahrhunderten Jüdinnen und Juden* zugeschrieben werden.

W

Wiking-Jugend
Die Wiking-Jugend (WJ) war eine neonazistische Kinder- und Jugendorganisation. Die 1952 gegründete Organisation wurde 1994 durch den Bundesminister des Innern verboten; zum Zeitpunkt des Verbots war sie mit 400 bis 500 Mitgliedern die größte neonazistische Jugendorganisation. Sie agierte in der Nachfolge der Hitler-Jugend und des Bundes Deutscher Mädel. Ein Charakteristikum der Wiking-Jugend war ihr Selbstverständnis als Refugium einer geschlossen nationalsozialistischen Sozialisation von der frühen Kindheit bis ins Erwachsenenalter ihrer Mitglieder.

X

Y

Z

Zahlencodes
Rechtsextreme benutzen häufig Zahlencodes, sowohl als Wiedererkennungszeichen als auch zur Verschlüsselung strafrechtlich verbotener Inhalte. Für Nicht-Eingeweihte sind diese Codes häufig unverständlich, innerhalb der rechtsextremen Szene aber wirken sie identitätsstiftend.

Grundlage der meisten Codes ist die Position der Buchstaben im Alphabet. Der in der rechtsextremen Szene wohl bekannteste Code ist die „88“. Die Acht repräsentiert den achten Buchstaben des Alphabets, „88“ steht also für „HH“ – den verbotenen Gruß „Heil Hitler“. Ebenfalls populär sind die Zahlencodes „18“ (= AH, für „Adolf Hitler“) oder „28“ (= BH, für das in Deutschland verbotene rechtsextreme Musiknetzwerk Blood&Honour).

Sehr verbreitet ist außerdem die „14“ – eine Anspielung auf das vierzehn Wörter umfassende rassistische Glaubensbekenntnis des US-Neonazis David Lane („We must secure the existence of our people and a future for white children“, zu deutsch etwa: „Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft für unsere weißen Kinder sichern“). Häufig zu sehen ist auch „168:1“ – dieser Code verherrlicht das Bombenattentat von Timothy McVeigh, Angehöriger einer rechtsextremen US-Miliz, der 1995 ein Regierungsgebäude in Oklahoma City in die Luft sprengte und dabei 168 Menschen tötete. McVeigh wurde zur Todesstrafe verurteilt und 2001 hingerichtet. „168 zu eins“ soll die aus Neonazisicht „positive Bilanz“ des Attentats beschreiben.

Derartige Zahlencodes finden sich zum Beispiel auf Kleidung und Aufklebern, auf CD-Covern und in Internet-Nicknames. Auch öffentliche Räume werden von Nazis häufig mit gesprühten Zahlencodes markiert. Da diese Codes in der Regel nicht illegal sind, können sie, selbst wenn die Polizei weiß, was damit gemeint ist, strafrechtlich nicht verfolgt werden.