Rechte Macher:innen im Landkreis Görlitz

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Unsere folgende Reihe möchte sich mit neuen und alten Gesichtern aus der extrem rechten Szene beschäftigen. Wir wollen den Versuch starten zu schauen, wer in unserem Landkreis lebt und welche rechten Vernetzungen diese Peronalien haben und wie sie einzuordnen sind.

Tobias Schulz alias Baldur Landogart

Einer dieser Menschen, der rassistische und nationalistische Positionen vertritt und in die Öffentlichkeit trägt, ist Tobias Schulz. (1) Der 38-jährige, welcher nach eigenen Angaben Diplom-Designer ist, wohnt seit Sommer 2020 in Görlitz. Schulz ist bestens mit verschiedensten rechtsextremen Akteur*innen auch international vernetzt und bekennender Nationalsozialist.

Unter seinem Pseudonym Baldur Landogart verbreitet er seine rechte Ideologie in Redebeiträgen, Interviews, auf diversen Blogseiten und in seiner eigenen Zeitschrift. 

Seine politische rechte „Karriere“ begann bereits in seiner Jugend. Laut seinen eigenen Angaben war er bei den Jungen Nationalen (JN) aktiv und ist bis heute NPD-Mitglied. Das erste Mal in der Öffentlichkeit wahrnehmbar war er als Mitglied der „Kameradschaft Moselland“ (2). Am 09.07.2004 beteiligte er sich an einer NPD-nahen Demonstration der „Offensive Moselland“ mit dem Motto: „US- Imperalismus durch revolutionären Nationalismus bekämpfen“. In späteren Jahren wurde Schulz Mitglied der Burschenschaft Normannia-Nibelungen (3) zu Bielefeld.

Er versuchte zeitweilig in Bayern bei der „Identitären Bewegung“ anzudocken.

2015 wurde Tobias Schulz in den Bundesparteivorstand der NPD gewählt und war in den drei darauffolgenden Jahren für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Zu Beginn des Jahres 2018 wurde der „Völkische Flügel“ innerhalb der NPD ins Leben gerufen, als dessen geistiger Verantwortlicher Thorsten Heise (4) gilt, und der u. a. mit Tobias Schulz zu den Erstunterzeichnern gehörte.(5)

2019 zog sich Schulz aus dem Bundesvorstand zurück, weil die NPD durch interne Streitereien und dem damit einhergehenden langsamen Zerfall scheinbar für ihn nicht mehr schlagkräftig genug war.(6)

Schulz und das „Schild und Schwert Festival“ in Ostritz

Der Kontakt zwischen Thorsten Heise und Tobias Schulz verfestigte sich fortan vor allem außerhalb der Parteistrukturen. Am 20.04.2018 stellte Schulz sein Magazin „Werk-Kodex“ (7) auf dem „Schild und Schwert Festival“ (8) in Ostritz vor. Bei der zweiten Auflage des Festivals vom 21.-22.06.2019 war er vermutlich im Organisations-Team aktiv. Beim YouTube Kanal „zittau-live“ ist ein gemeinsamer Presseauftritt mit Thorsten Heise zu sehen, der die Vermutung der aktiven Mitgestaltung von Schulz nahelegt.(9) 

In seiner Rede im Sommer 2019 bei diesem Festival bekannte sich Schulz zum „weißen Nationalismus“ und gründet dies auf die vermeintliche Überlegenheit der abendländischen Tradition.

Ein Auszug aus der Rede von Schulz: “ […] Es steht nicht vordergründig die soziale Frage im Raum, sondern die völkische und ethnokulturelle. […] Vom Altertum bis heute lassen sich im Großen und Ganzen betrachtet zwei Ideenkreise oder, man könnte auch sagen, Weltanschauungen feststellen. […] Zum einen erkennen wir den nordisch bestimmten Ideenkreis des Abendlandes mit idealistischen Ansätzen, mit besonderen Charakter- und Seelenwerten sowie äußerst schöpferischen und ordnenden Prinzipien. Und zum anderen nehmen wir den Ideenkreis des Mittelmeerbeckens und Kleinasiens mit oft individualistisch, materialistischen Vorgehensweisen (sic) […]“ (10)

In seiner 24-minütigen Rede wird Schulz noch rassistischer und ruft zur aktiven Verteidigung der sog. weißen Rasse auf.

Ein weiterer Auszug aus der Rede von Schulz: “ […] weil wir uns in eim absoluten Kriegszustand befinden, auch wenn dieser zur Zeit perfide und heimtükisch erfolgt. […] Und wir müssen uns dem feindlichen Vernichtungswillen mit einem noch fanatischerem Behauptungswillen entgegenwerfen. […] wir befinden uns in einem Prozess des größten Völkermordens der Weltgeschichte. Nach uns folgt das zweite Zeitalter der multiethnischen Überbevölkerung, Durchmischung, von der eines afrikanisch, vorderasiatischen und islamischen Kulturkampfes in Europa. […] Bestand oder Untergang der Rassen und Kulturen, kurzum, eine lebenswerte Zukunft des weißen Menschen hängt auch mitentscheidend von uns und unseren Taten ab. Es ist eine eigene Pflicht und Verantwortung gegenüber den Menschen unserer Art, unseren weißen Brüdern und Schwestern überall auf der Welt sowie gegenüber den Lebensgesetzen im Sinne der kosmischen Ordnung […] Wir Nationalisten, wir kapitulieren niemals.” (11) 

Schulz und die neuen und alten Nazis

Laut seinen eigenen Angaben wohnte er 2016 bis 2017 mit dem rechten Liedermacher Frank Rennicke (12) im Landkreis Hof zusammen. Er selbst postet immer wieder Fotos von sich mit neuen und alten Nazis. Meist sind dies keine Unbekannten, zum Teil seit Jahrzehnten in der Bundesrepublik aktiv, wie zum Beispiel:

  • die verurteilte Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck (13) aus Hessen, 
  • der rechte Multifunktionär Thorsten Heise aus Thüringen, 
  • der rechte Maler Odin Wiesinger (14) aus Österreich, 
  • Philipp Maximilian Hasselbach (15) aus Nordrhein-Westfalen, 
  • dem das ehemaligen Kreistagsmitglied der NPD Per Lennart Aae (16) aus Sachsen (Görlitz), 
  • der rechtsextreme Videoblogger Nikolai Nerling (17) (a.k.a. Der Volkslehrer)  aus Berlin  
  • und der rechtsextreme Gastronom und Konzertveranstalter Tommy Frenck (18) aus Thüringen.

Schulz versucht für vermeintlich bürgerliche Konservative auch in der Region anschlussfähig zu sein. So lässt er in einem seiner Videos den Görlitzer Oliver Rettig (19), einen Hobby-Historiker, zu Wort kommen. Rettig scheint der Reichsbürgerszene nahe zu stehen und dem Schlesischen Heimatverbund angeschlossen zu sein. Außerdem kandidierte er 2008 bei den Kreistagswahlen für die NPD im Landkreis Görlitz (20). In einem Interview auf dem Avantura Blog äußerte er sich mit folgendem Wortlaut: „(…) mit Blick auf die alte Reichsstadt Görlitz(…) die alte Reichsautobahn A 4 (…) Jetzt gehen wir weiter Richtung Osten mit Blick über die Neiße, in den polnisch besetzten Teil der Neißestadt seit `45(…)“ (21). Diese Äußerungen weisen auf ein sehr verklärtes Geschichtsbild und einer Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Grenze hin. Eine klare Position, die auch in Vertriebenen-Verbänden immer wieder geteilt wird.

In seinem Vlog „Avantura“ lässt Schulz Anti-Corona-Protestierende aus der Görlitzer Region zu Wort kommen.

Darüberhinaus stellt er die offen rechte Initiative „Zusammenrücken“ (22) gemeinsam mit dem Interviewpartner Christian M. (23) in einem seiner Videos vor. Das Ziel der Nationalist*innen und Faschist:innen sei es Menschen zum Umzug unter dem Motto „Deutsche unter Deutschen“ in ländliche ostdeutsche Gebiete zu bewegen. Es gehe ihnen dabei darum, eine Vorherrschaft von rechten Aktivist:innen in dieser Region zu erreichen.

Tobias Schulz nutzt seit Jahren verschiedene sozialen Medien und Kanäle und gibt Interviews in unterschiedliche rechtsextremen Internetradios – zuletzt im Sommer 2021 dem Neonazi Ignaz Bearth(24) aus der Schweiz. Seine Online Aktivitäten und Kommentare lassen immer weniger Berührungsängste auch zu terroristischen Attentätern erkennen. Am 20.06.2021 ehrte er auf seinem Telegramm Kanal zum Beispiel den belgischen Berufssoldalten Jürgen Conings (t) (25) Screenshot: „Ruhe in Frieden du bleibst unbesiegt“.

Schulz‘ Schwerpunkte scheinen aktuell in der Ukraine und in der Region Ostsachsen (Görlitz) zu liegen.

Einen näheren Einblick in die Verbindungen zur Ukraine gibt uns an dieser Stelle unsere Kollegin Erika Balzer. 

Schulz und seine „Ethnopluralistische Reisedoku“ – Avantura

Tobias Schulz betreibt den Videoblog „Avantura“, welchen er selbst als Europareise und Völkerkunde bezeichnet. Avantura-`ein Abenteuer`. Dies klingt im ersten Moment sehr romantisch und vielversprechend. Bei genauererem Blick ist es ein Blog für bekennende Nationalisten, für welche, die es werden wollen und gemacht von einem, der es zu sein scheint.

Eine Ethnopluralistische Reisedoku so beschreibt Tobias Schulz seinen Kanal auf YouTube, der seit September 2020 existiert und mit rund 1.200 eher wenig Abonnent*innen vorweist. Auf Telegram sind es gerade mal die Hälfte, bei Facebook und auf Instagram werden seine Seiten immer wieder gelöscht. Für die Masse scheint sein Film-Projekt eher uninteressant zu sein, was es aber nicht weniger gefährlich macht – insbesondere, wenn er sich mit dem Who is Who des ukrainischen Ultra-Nationalismus trifft. Von seinen 20 Vlogs finden die Hälfte in der Ukraine statt.

Während seiner Reise traf er sich vor allem mit leitenden Personen der Partei „Nationalkorps”. Die Partei bildete sich 2016 aus dem rechtsextremen Freiwilligenbataillon „Asow“ heraus. Asow entstand 2014 im Zuge des Euromaidans und ist eine Einheit im Krieg in der Ostukraine, wo sie gegen pro-russische Separatisten und russische Kräfte kämpfen. Aus der früher provisorischen Zusammensetzung von Soldat*innen und Kämpfer*innen entwickelten sich professionalisierte militärische und politische Strukturen. Sowohl Asow als auch die Partei Nationalkorps vertreten eine nationalsozialistische, antisemitische, rassistische, homo- und transfeindliche Ideologie, oberstes Ziel ist „White Supremacy“. Sie verbreiten ihre Einstellungen und Werte in Trainingslagern für junge Ukrainer*innen, für Rekrut*innen aus dem Ausland, in Schulen und Jugendorganisationen sowie durch die Hooligan- und Ultras-Szene in der Ukraine.

Im Rahmen seines Reiseblogs bezeichnet Tobias Schulz die Ukraine als „das einzige Land europa- oder sogar weltweit, das eine ‚Renationalisierung‘ erfährt“. Den „nationalen Widerstand“ in Deutschland findet er im Vergleich dazu lächerlich.

In seiner Beschreibung wirbt er für ein „souveränes Deutschland und Abendland“ und für ein „Europa der Vaterländer und eine Welt der tausend Völker“, wie es der Ethnopluralismus wünscht. Andere Nationen und Völker werden geduldet, es findet auch ein ideologischer Austausch statt, aber es soll keine „Mischung“ der Völker stattfinden. Akzeptanz und Toleranz, aber außerhalb der eigenen nationalen Grenzen und nur gegenüber anderen „weißen Nationen“.

Diese Ideologie vertreten auch Ultra-Nationalist*innen aus der Ukraine.

Wo war der ethnopluralistische Reiseblogger und mit wem hat er sich getroffen?

Olena Semenyaka

Die junge Frau ist in der internationalen Rechten bekannt. Ihr Weg geht vom ultranationalistischen „Rechten Sektor“ über Asow zum Nationalkorps, wo sie nun Pressesprecherin der Partei und für internationale Angelegenheiten zuständig ist. Semenyaka ist außerdem Führungskraft des Projektes „Intermarium”, welches sich bemüht, eine Allianz aus den Staaten zu gründen, die durch das Schwarze Meer, die Ostsee und das Mittelmeer miteinander verbunden sind, um sich vor den Interessen der Staaten außerhalb zu schützen.

Die Pflege deutscher Verbindungen scheint Semenyaka besonders wichtig zu sein: Sie bezeichnet Deutschland als „ihre spirituelle Heimat“. Akademisch befasst sie sich mit den antidemokratischen Denkern der deutschen Konservativen Revolution zur Zeit der Weimarer Republik. Neben ihrem intensiven Studium von Ernst Jünger interessiert sie sich auch sehr für Carl Schmitt, Arthur Moeller van den Bruck, Friedrich Nietzsche und Götz Kubitschek, dessen Institut für Staatspolitik erst kürzlich als rechtsextrem eingestuft wurde. Das Manifest „Natiokratie” vom Vater des ukrainischen Nationalismus, Mykola Sziborskyj, wurde durch ihren Einsatz ins Deutsche übersetzt und erschien im „Jungeuropa Verlag“, mit Vorwort von Philip Stein („Ein Prozent“).

Semenyaka ist außerdem großer Fan von deutschem National Socialist Black Metal (NSBM), wie man ihrem Profil auf vkontakte entnehmen kann. 2018 moderierte sie gemeinsam mit Neonazi und Mitglied der Band „Absurd“ Hendrik Möbus die „Pact of Steel“-Konferenz auf dem Asgardsrei-Festival in Kiew. In einem Essay schreibt sie über das „konservativ-revolutionäre Potenzial” des Musik-Genres.

Anfang 2021 las man über sie in den deutschsprachigen Medien, da sie am IWF (Institut für die Wissenschaft des Menschen) in Wien ein Stipendium hätte annehmen sollen. Bis das IWF auf Fotos von ihr mit Hakenkreuz-Fahne und Hitler-Gruß hingewiesen wurde.

Sie war schon öfter als Rednerin und Teilnehmerin bei Veranstaltungen in Deutschland zu Gast: Auf dem Europakongress der Jungen Nationalisten (JN), im „Haus Montag“ in Pirna bei der NPD, bei „Kontrakultur“ (einem Ableger der „Identitären Bewegung“), bei „Die Rechte“ usw. Zu „Der III. Weg“ scheint ein besonders enger Kontakt zu bestehen. Sie selbst war als Rednerin beim „Jugend im Sturm“-Festival geladen, aber auch Mitglieder der Partei reisen nachweisbar immer wieder in die Ukraine, um an Veranstaltungen teilzunehmen, wie auch Baldur Landogart. 

Bei einem gemeinsamen Essen im Restaurant „Ostannya Barykada“, direkt am Maidan in Kiew, nutzte Tobias Schulz die bestehenden Verbindungen und vertiefte sie, seinem Vlog nach zu urteilen. Er sagte in der Folge, sie würde noch öfter zu sehen sein, allerdings war das bisher noch nicht der Fall.

Auch andere Fotos und Ausschnitte zeigen, dass das Eintauchen in die Welt des ukrainischen Rechtsextremismus oberste Priorität hat. In seinem Telegram-Kanal posiert er vor einem Bus mit Asow -Logo und hält seinen Presseausweis in die Kamera, der ihn als „nationalen Korrespondenten” und Journalisten auszeichnet, um in die Kriegsgebiete einreisen zu dürfen. In einem kurzen Take erkennt man auch das Fitnessstudio, in welchem Asow-Mitglieder trainieren und Olena Semenyaka schon Selfies gemacht hat.

Maksym Zhoryn

Im Ukraine-Trailer von Avantura sind Tobias Schulz und Maksym Zhorin bei einem Handschlag zu erkennen. Bevor Zhorin Leiter des Hauptbüros von Nationalkorps wurde, war er Kommandant bei Asow. Ein Beispiel für den klassischen Weg vom militärischen Dienst in die politische Arbeit.

Ultras- und Hooligan-Szene

In einem seiner Videos ist Schulz mit einem Ultra des FK Dynamo Kiew unterwegs. Ultras und Hooligans sind sowohl bei Asow als auch beim Nationalkorps zahlreich vertreten. Mit seinem Begleiter, der unerkannt bleibt, besucht Schulz einen Pub am neuen Stadion in Kiew. Der Besitzer des Pubs für Dynamo Kiew-Ultras „Alex” ist wiederum gemeinsam mit Dmytro Kuchharchuk, dem Leiter der Außenstelle des Nationalkorps in Cherkassy, auf Fotos bei Telegram zu sehen und scheint ebenfalls zur politischen Einheit zu gehören. Das zeigt, wie weit das Netzwerk reicht und wie viele Verbindungen Tobias Schulz zum ukrainischen Rechtsextremismus aufweisen kann.

Park „Kiewer Rus“

Die ehemalige Festung in der Nähe von Kiew dient als Freizeitpark- und Erlebnispark. Neben mittelalterlichen Festen und Veranstaltungen für die ganze Familie wird der Park auch für Events von Asow und dem Nationalkorps genutzt. Der Journalist Oleksiy Kuzmenko zeigte auf Twitter Ausschnitte und Fotos des gemeinsamen „Young Flame“-Festivals von Asow und dem Nationalkorps, bei dem es vor allem um die Demonstration von Macht und Gewalt ging: Gewichtheben, MMA, Kämpfe und rechtsextreme Musik. Diese martialische Ästhetik und das nicht verbotene Ausleben von White Supremacy zieht Rechtsextreme aus der ganzen Welt an, wie die TIME berichtete. Tobias Schulz sieht man in seinem Ukraine-Trailer in diesem Park beim Bogenschießen.

Zuletzt war Tobias Schulz selbst am 24. August 2021, dem 30. Tag der Unabhängigkeit, in der Ukraine. Vom Marsch in Kiew und den zum Teil gewaltvollen Ausschreitungen hat Landogart Videos auf Telegram gepostet.

Erika Balzer

Schulz und das Offline Format – Werk Kodex

Schulz ist außerdem Chefredakteur und der Herausgeber des rechtsradikalen Hochglanzmagazins „Werk-Kodex“. Dieses umfasst ca. 100 Seiten (26) und wurde bisher in drei Ausgaben produziert. In „Werk-Kodex“ steckt knallharte Neonazi-Ideologie und es kommen bekannte Neonazis zu Wort. In der ersten Ausgabe interviewt Schulz unter anderem Johannes Scharf (27). Scharf postulierte dort:

  •     „1. Sicherstellen des Überlebens der weißen Rasse
  •     2. Biologische Bewahrung der subrassischer Spezifika in charakterischtischen Populationen (Nordwest, Nordost. Süd)
  •     3. Erhalt der größeren Völker und Sprachen Europas durch sekundäre Siedlungsprojekte
  •     4. Bewahrung regionaler Eigenheiten und Bräuche (…)“ (28)

Ebenso erschienen auch Artikel zu Umweltthemen und Tipps zu bewussten Ernährungsweisen, die immer wieder mit ideologischen Versatzstücken alter und neuer Nazis gespickt sind. Schulz umschreibt die neonazistische Ideologie mit Begriffen wie „Metapolitik“(29) oder nutzt den kulturellen Anspruch auf alte Grafik-Techniken als Ursprung des Handwerks.

Interessant ist, das im Impressum des Magazins eine mittlerweile bundesweit bekannte Adresse angegeben wird. Im „Gutshaus Hanstein“ in der Dorfstraße 41, Fretterode (Thüringen) wohnt seit vielen Jahren der oben genannte Multifunktionär Thorsten Heise.

Epilog

All diese Aspekte zeigen Schulz als einen sehr engagierten und erfahrenen Neonazi. In den ohnehin schon gefestigten und gut vernetzten rechten Strukturen gibt es nun Einen mehr, der seine Ideen ungehindert in unserer Region und darüberhinaus verbreiten kann. Vor allem die Leugung historisch anerkannter Verbrechen ist eine zentrale Strategie des Rechtsextremismus. Täter werden zu Opfern gemacht, Geschichte wird verfälscht und in neue Begrifflichkeiten gefasst- intern sprechen rechtsextreme Aktuer:innen wie Tobias Schulz von sogenannten „neuen Konzepten“.

Der Glaube an die weiße Vorherschaft steht dabei scheinbar im Widerspruch zu internationalen Netzwerken, die in den letzten Jahren von (neu)rechten Akteuer:innen immmer besser etabliert worden sind. Durch transnationale Vernetzung sollen rassistische Konzepte massenkompatibel und anschlussfähiger werden.

Wir bedanken uns bei allen die an dem Artikel mitgewirkt und uns dabei unterstützt haben. Namentlich wären hier z.B. die Projekte mit freundlicher Genehmigung Recherche Nord und RechercheNetzwerkBerlin zu nennen.

Quellen:

1 https://landogart.de/lebenslauf/ abgerufen 23.10.2021  

2    Kameradschaft Moselland – https://www.volksfreund.de/region/trier-trierer-land/hitler-zitate-im-fadenkreuz-des-staatsanwalts_aid-6701034 abgerufen 23.10.2021

3   Burschenschaft Normannia-Nibelungen http://normannia-nibelungen.de/page/aktuell.php abgerufen am 23.10.2021

4   Torsten Heise –  Der 52-jährige Heise ist seit Jahrzehnten ein Rädelsführer der rechtsextremen Szene: Er stammt aus freien „Kameradschaftsszene“ und begann seine militante Laufbahn in den 1990er Jahren in der inzwischen verbotenen rechtsextremen Kleinstpartei „Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei“ (FAP). Heise ist auch Produzent und Händler von Rechtsrock-Musik:  Er firmiert im Netz als vertretungsberechtigter Geschäftsführer des Versandhandels. Vertrieben werden vom WB-Versand nicht nur die T-Shirts mit dem Aufdruck „Arische Bruderschaft“ und dem Logo des SS-Sonderkommandos. Es gibt dort beispielsweise auch Klettaufnäher, Tassen und Schlauchschals mit diesem Motiv und dieser Aufschrift. ) https://www.tagesspiegel.de/politik/nach-neonazi-festival-in-ostritz-das-halbherzige-vorgehen-gegen-den-thueringer-npd-chef-thorsten-heise/21211104.html—>abgerufen am 12.08.2021; https://exif-recherche.org/?p=4399 abgerufen am 23.10.2021

5 https://dervoelkischefluegel.de/unterstuetzer/ abgerufen am 23.10.2021

6  Homepage von Endstation Rechts: https://www.endstation-rechts.de/news/katastrophaler-gesamtzustand-npd-vorstandsmitglied-schmeisst-hin.html abgerufen am 16.08.2021

7   Quelle: Sreenshot https://twitter.com/Chronik_ge_Re/status/1039497870016036864/photo/1) abgerufen am 16.08.20218

8 Schild und Schwert Festival –  https://www.rechtsrocktnicht.org/  abgerufen am 10.09.2021

9   Quelle:https://www.youtube.com/watch?v=bqoouW_069YEr- Minute 3:49 abgerufen am 16.08.2021

10 https://landogart.de/page-samples/vortraege-und-gespraeche abgerufen am 26.10.2021

11 Ebd.

12   Frank Rennicke https://www.antifainfoblatt.de/tags/frank-rennicke abgerufen am 23.10.2021

13  Ursula Haverbeck – https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-12/ursula-haverbeck-holocaust-leugnerin-haftstrafe

14  Odin Wiesinger- Der Absolvent der Linzer Hochschule für Gestaltung ist Mitglied der schlagenden Burschenschaft Scardonia zu Schärding und sticht seit Jahren als Haus-und Hof-Künstler der politischen Rechten hervor. Neben Norbert Hofer gaben sich auch Martin Graf oder Oberösterreichs FPÖ-Vizelandeshauptmann Manfred Haimbuchner als Förderer des Malers zu erkennen. Seinen Künstlernamen Odin (nach dem nordischen Göttervater) erhielt Wiesinger in der Burschenschaft, sein echter Vorname lautet Manfred. Als Logo führt er eine stilisierte Othala- bzw. Odal-Rune, die in der Waffen-SS und später bei Neonazis (u. a. bei der verbotenen Wiking-Jugend) Verwendung fand. Wiesinger sieht in seinem Logo hingegen ein harmloses Monogramm aus seinen inInitialen „O“ und „W“. –https://www.derstandard.de/story/2000103056926/odin-wiesinger-rechter-goettervater-fuer-oberoesterreichs-kultur)abgerufen 23.10.2021

15   Philipp Maximilian Hasselbach (aus NRW (Essen) und ehemals führender Kader der freien Kameradschaftsszene aus Bayern)https://www.wikizero.com/de/Philipp_Hasselbach abgerufenn am 23.10.2021

16   Per Lennart Aae (*1940 in Stockholm) ist ein deutscher Politiker, ehemaliges Mitglied der NPD und ein Leugner des Holocaust.https://www.endstation-rechts.de/news/mitarbeiter-der-npd-fraktion-sachsen.html abgerufen am 23.10.2021

17   Nikolai Nerling  (Volkslehrer)https://www.welt.de/vermischtes/article234065238/ZDF-zeigt-den-bekannten-Rechtsextremen-Nikolai-Nerling-in-Strassenumfrage.html aberufen am 23.10.2021

18  Tommy Frenck  In Kloster Veßra hat sich ein besonderes Zentrum des Rechtsextremismus entwickelt.https://www.deutschlandfunkkultur.de/ein-dorf-zeigt-gesicht-gegen-rechts-mein-nachbar-der-neonazi.1076.de.html?dram:article_id=461589 abgerufen am 23.10.2021

19  Oliver Rettig Hobby Historiker aus Görlitz  https://www.alles-lausitz.de/ein-letzter-gruss-aus-dem-staendehaus.html- abgerufen am 20.10.2021

20 Amtsblatt der Großen Kreisstadt Görlitz, Ausgabe 2008, Nr. 12

21 https://www.youtube.com/watch?v=d9lxi-Y75N0Siehe) ab 10:04-10:58 abgerufen am 23.10.2021

22 https://zusammenruecken.io/wer-wir-sind-und-was-wir-wollen/ ; https://www.nd-aktuell.de/artikel/1149077.initiative-zusammenruecken-rechte-planen-voelkische-siedlungen-im-osten.html abgerufen am 23.10.2021

23  Christian M. (ehemals HDJ Anhänger und jetzt in der Initiative Zusammenrücken aus Leisnig) https://www.youtube.com/watch?v=F1IH3DJA60k angerufen am 23.10.2021

24   Ignaz Bearth (https://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Bearth)

25 Jürgen Connings – Screenshot Telegramm vom 25.06.2021- abgerufen am 28.08.2021

26  Die Zeitung Zeit über das Werk Kodex https://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2018/07/27/rainer-langhans-neonazi-magazin-werk-kodex_26823) – abgerufen am 15.08.2021

27  Johannes Scharf – Artikel von Beltower News https://www.belltower.news/npd-und-sezession-neue-und-alte-rechte-im-antisemitismus-vereint-116395/abgerufen am 19.08.2021

28 Werk-Kodex, Erste Ausgabe „DENKWERK PRO & CONTRA, 2018, S.83

29 Neurechte These – Metapolitik https://lpb.sachsen-anhalt.de/online-angebote/campuspublik/die-sprache-der-neuen-rechten/) abgerufen am 12.08.2021